Diese 5 Ăśbungen solltest du immer wieder trainieren.
Viele Taucher machen nach dem Grundkurs hunderte Tauchgänge – ohne jemals bestimmte Fertigkeiten wieder aktiv zu trainieren. Das Problem dabei: Tauchen ist ein motorischer Sport. Und motorische Abläufe funktionieren nur dann zuverlässig, wenn sie regelmäßig wiederholt werden.
Gerade in Stresssituationen bleibt oft keine Zeit mehr zum Nachdenken. Dann muss eine Handlung automatisch funktionieren. Genau hier kommt das sogenannte Muscle Memory ins Spiel – also Bewegungsabläufe, die durch ständige Wiederholung so verinnerlicht wurden, dass sie nahezu automatisch ablaufen. Divers Alert Network (DAN) weist ausdrücklich darauf hin, dass regelmäßiges Üben mit der eigenen Ausrüstung Muskelgedächtnis aufbaut und dadurch die Fähigkeit verbessert, Probleme auch unter Stress zu lösen.
„Using and practicing with equipment builds muscle memory, which can help you in stressful situations.” DAN, How well are you prepared to dive?
Die gute Nachricht: Viele wichtige Übungen lassen sich problemlos in normale Tauchgänge integrieren. Oft reichen bereits wenige Minuten bewusstes Training während eines Sicherheitsstopps oder am Ende eines entspannten Tauchgangs.
Hier sind fünf Fertigkeiten, die meiner Meinung nach jeder Taucher regelmäßig trainieren sollte.
#1: Tarierung
Die Tarierung ist vermutlich die wichtigste Fertigkeit beim Tauchen. Ohne gute Tarierung werden praktisch alle anderen Aufgaben schwieriger. Und in Problemsituationen kann die Tarierung massiv beeinflussen, wie eine Situation ausgeht.
Viele Taucher glauben, gut tariert zu sein, weil sie ihre Tiefe während des Tauchgangs halten können. Doch dabei wird oft übersehen, dass ständig mit den Flossen korrigiert wird. Die Bewegung kaschiert häufig eine schlechte Tarierung oder mangelnde Balance.
Die entscheidende Frage lautet daher: Was passiert, wenn du komplett aufhörst dich zu bewegen? Kannst du regungslos im Wasser schweben? Bleibst du stabil im Trimm? Oder sinken plötzlich die Beine ab und du musst hektisch korrigieren?
Genau das merkt man oft erst bei Aufgaben wie dem Setzen einer Boje, beim Fotografieren oder beim Ventile- bzw. Maskenhandling.
Deshalb sollte man Tarierung aktiv trainieren:
- bewusst regungslos schweben
- den eigenen Trimm beobachten
- die Balance kontrollieren
- kleine Bewegungen minimieren
Erst wenn all das funktioniert, wird man wirklich gut austariert sein.
Tipp: Tauche bewusst langsam und verharre immer wieder mal bewegungslos. Achte darauf ob sich die Tararierung, vorallem jedoch deine Wasserlage verändert. Kippst du nach vorne oder hinten, musst du an deinem Trimm arbeiten und eventuell die Gewichtsverteilung deiner Ausrüstung anpassen.
Achte auch auf deine Bleimenge. Immer wieder verwenden Taucher zu viel Blei, was in weiterer Folge zu viel Luft im Jacket fĂĽhrt. Diese wirkt sich negativ auf den Wasserwiderstand aus und verschlechtert die Balance massiv.
#2: Flossenschlagtechniken
Bei den Flossenschlagtechniken ist es ähnlich wie bei der Tarierung.Man verwendet sie bei jedem Tauchgang – trotzdem schleichen sich oft ineffiziente oder problematische Bewegungsmuster ein.
Die Folgen reichen von:
- unnötig hoher Anstrengung
- erhöhtem Atemgasverbrauch
- schlechter Kontrolle
- bis hin zu massiven Sedimentaufwirbelungen
Gerade in Seen, Wracks oder Höhlen kann schlechte Flossentechnik die Sicht innerhalb weniger Sekunden komplett zerstören. Das ist nicht nur schlecht für die Unterwasserwelt, sondern kann auch schnell zu einem Sicherheitsproblem werden.
Die wichtigsten Flossenschläge sind:
- Flutter Kick
- Modified Flutter Kick
- Frog Kick
- Modified Frog Kick
- Backward Kick
- Helicopter Turn
Besonders der Frog Kick und der Modified Frog Kick helfen dabei, den Grund nicht aufzuwirbeln und gleichzeitig effizienter durchs Wasser zu gleiten.
Der Backward Kick und der Helicopter Turn wirken anfangs oft wie „Spielereien für technische Taucher“. In Wahrheit verbessern sie aber die Kontrolle unter Wasser enorm – etwa beim Positionieren an einer Leine, vor einem Wrack oder beim Fotografieren.
Und ganz ehrlich: Sobald man diese Techniken wirklich beherrscht, möchte man sie nicht mehr missen.
#3: Out-of-Gas Prozeduren
Eine Ohne-Luft-Situation ist zum Glück selten. Doch genau darin liegt auch eine Gefahr. Die meisten Taucher üben das Reagieren darauf im Grundkurs – und danach nie wieder. Im Ernstfall muss diese Handlung jedoch schnell und ohne langes Nachdenken funktionieren. Wieder spielt hier das Thema Muscle Memory eine große Rolle. Je öfter einfache Abläufe trainiert werden, desto ruhiger und kontrollierter funktionieren sie später unter Stress.
Zu den wichtigsten Übungen gehören:
- kontrolliertes Atemgas spenden
- sauberes Aufnehmen des gespendeten Reglers
- Wechsel vom Hauptregler auf den Backup-Regler
- stabil bleiben während der gesamten Übung
Gerade letzter Punkt wird oft unterschätzt. Viele Taucher konzentrieren sich so stark auf den Reglerwechsel, dass Tarierung und Position komplett verloren gehen. Deshalb trainieren wir diese Übungen im Foundations-Training immer im Schweben – ohne Bodenkontakt und ohne hektische Bewegungen. Denn eine Notfallprozedur ist erst dann wirklich beherrscht, wenn sie ruhig, kontrolliert und sauber funktioniert.
Doch auch bei normalen SpaĂźtauchgängen lässt sich diese Ăśbung perfekt integrieren. Zum Beispiel beim Sicherheitsstopp oder nach Absprache mit dem Tauchpartner auch „irgendwann mal“ während des Tauchgangs.
#4: Maskenhandling
Wasser in der Maske gehört beim Tauchen einfach dazu. Trotzdem reagieren viele Taucher überraschend gestresst darauf – besonders wenn plötzlich viel Wasser eindringt oder die Maske unbeabsichtigt verloren geht.
Das kann zum Beispiel passieren:
- durch einen unkontrollierten Flossenschlag
- bei Wellengang an der Oberfläche
- beim Verhängen
- oder einfach durch eine unglĂĽckliche Bewegung
Nichts davon darf übermäßigen Stress auslösen. Und genau deshalb sollte Maskenhandling regelmäßig trainiert werden.
Besonders sinnvoll sind:
- Maske teilweise fluten und ausblasen
- komplette Maskenabnahme
- Wechsel auf die Backup-Maske
- kurze Phasen bewusst ohne Maske verbringen
Mit regelmäßigem Training bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, auch ohne Sicht ruhig und kontrolliert zu bleiben. Und genau diese Ruhe ist im Wasser unglaublich wertvoll.
#5: Setzen einer Oberflächen-Markierungsboje (DSMB)
Eine Oberflächen-Markierungsboje signalisiert: Hier befinden sich Taucher unter Wasser.
Gerade in Bereichen mit Bootsverkehr erhöht eine DSMB die Sicherheit massiv. Je nach Land bzw. lokalen Regeln müssen Boote einen entsprechenden Mindestabstand zur Boje einhalten. Umso wichtiger ist es daher, dass die Boje bereits vor dem Auftauchen sauber gesetzt wird.
In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder: Viele Taucher haben mit dieser Fertigkeit erhebliche Probleme.
Die möglichen Fehler reichen von:
- Verlust der Tarierung
- unkontrolliertem Aufstieg
- Verwicklungen in der Leine
- bis hin zum kompletten Kontrollverlust
Dabei lässt sich das Bojensetzen hervorragend bei jedem Tauchgang trainieren.
Tipp: Besonders gut funktioniert die Übung im Buddy-Team: Ein Taucher hält stabil die Tiefe und beobachtet. Der andere setzt die Boje und orientiert sich dabei an seinem Buddy. So entsteht ein ruhiges und kontrolliertes Umfeld zum Üben.
Auch Projekte wie Safer Shorelines zeigen immer wieder, wie wichtig Sichtbarkeit und saubere Oberflächenprozeduren für die Sicherheit von Tauchern sind.
Training muss nicht kompliziert sein
Die gute Nachricht: Man muss für solche Übungen nicht jedes Mal ein eigenes Training organisieren. Viele Fertigkeiten lassen sich problemlos in normale Tauchgänge integrieren. Zum Beispiel während des Sicherheitsstopps:
- kurze Out-of-Gas-Ăśbung
- Maskenhandling
- Tarierungstraining
- DSMB setzen
Wichtig ist nur: Besprecht solche Übungen immer vorher mit eurem Buddy. Nicht, dass plötzlich eine echte Notsituation vermutet wird.
Foundations Training – auch fĂĽr Sporttaucher
Viele Taucher glauben, dass Kurse wie TDI Intro to Tech oder SSI XR Foundations ausschlieĂźlich fĂĽr technische Taucher gedacht sind. Das stimmt so nicht. Diese Trainings dienen vor allem dem Aufbau sauberer Grundlagen:
• Tarierung, Trimm und Balance
• Flossentechniken
• Teamarbeit
• Gasmanagement
• kontrollierte Notfallprozeduren
Und zwar so lange, bis diese Fertigkeiten auch regungslos im Schweben sauber funktionieren. Der Kurs kann dabei ganz normal mit Monogerät, Doppelgerät oder in Sidemount-Konfiguration absolviert werden.
Gerade für ambitionierte Sporttaucher ist das oft der perfekte nächste Schritt, um mehr Kontrolle, mehr Sicherheit und mehr Ruhe unter Wasser zu entwickeln. Denn am Ende geht es nicht darum, „technisch“ zu tauchen. Sondern darum, ein besserer und sichererer Taucher zu werden.

