Gasplanung: Kennst du dein AMV?

Kennst du dein Atem-Minuten-Volumen und deine Consumption-Rate?

In meinem Blogbeitrag „Was können Sporttaucher von technischen Tauchern lernen?“ habe ich bereits aufgezeigt, dass technisches Tauchen nicht zwangsläufig „tiefer“ oder „komplizierter“ bedeutet – sondern vor allem strukturierter, bewusster und sicherer. Eines der zentralen Werkzeuge dafür ist die Gasplanung. Und genau hier beginnt für jeden Taucher – egal ob Sport- oder Tec-Taucher – alles mit einer einfachen, aber entscheidenden Kennzahl: dem Atem-Minuten-Volumen.
 

Was ist das Atem-Minuten-Volumen (AMV)?

Das Atem-Minuten-Volumen, kurz AMV (englisch SAC – Surface Air Consumption), beschreibt, wie viel Gas ein Taucher pro Minute an der Oberfläche verbraucht.
Dieses Wissen ist die Grundlage jeder sinnvollen Gasplanungs-Strategie – unabhängig davon, ob es sich um einen entspannten Sporttauchgang oder ein komplexeres Profil handelt.
 

Wie berechnest du dein eigenes AMV?

Die Berechnung ist einfacher, als viele denken. Am besten führst du sie bei einem deiner nächsten Tauchgänge durch:
 
1. Abtauchen auf eine konstante Tiefe, z. B. 10 Meter
2. Finimeter kontrollieren und Flaschendruck notieren
3. In gleichbleibender Tiefe unter normaler Anstrengung schwimmen
4. Nach 10 Minuten erneut den Flaschendruck ablesen und notieren
 
Diese Messung nennt man einen „SAC-Rate-Swim“. Damit hast du bereits alle Daten, um dein persönliches AMV zu berechnen.
 

Beispielrechnung: AMV bestimmen

Gehen wir von folgenden Werten aus:
 
• Tiefe: 10 Meter (≈ 2 bar absoluter Druck)
• Zeit: 10 Minuten
• Gasverbrauch: 30 bar
• Flaschengröße: 12 Liter
 
Zuerst rechnen wir den Druckverbrauch in Liter um:
 
Verbrauchte bar × Flaschenvolumen = Verbrauch in Liter
30 bar × 12 l = 360 Liter
 
Das sind 360 Liter Gas, die wir in 10 Minuten bei 2 bar verbraucht haben.
Nun rechnen wir diesen Verbrauch auf Oberflächendruck um:
 
360 Liter ÷ 2 bar = 180 Liter an der Oberfläche
 
Da sich dieser Verbrauch auf 10 Minuten bezieht, rechnen wir nun auf eine Minute herunter:
 
180 Liter ÷ 10 Minuten = 18 l/min
 
Unser AMV beträgt also 18 Liter pro Minute (bei moderater Anstrengung).
 

Warum mehrere AMV-Werte sinnvoll sind

Kein Tauchgang ist wie der andere. Strömung, Kälte, Stress oder Tagesform beeinflussen unseren Atemverbrauch deutlich. Deshalb empfiehlt es sich, mehrere AMV-Messungen durchzuführen und daraus realistische Durchschnittswerte zu bilden:
 
1. AMV in Ruhe
2. AMV bei moderater Anstrengung
3. AMV unter hoher Belastung
 
Mit diesen Werten verstehst du deinen Gasverbrauch deutlich besser – und genau das schafft Sicherheit, Vertrauen und Entspannung unter Wasser.
 

Von AMV zu Consumption Rates

Doch Gasplanung endet nicht beim AMV – im Gegenteil: Das AMV ist der erste Schritt. Ein äußerst praxisnahes Werkzeug sind sogenannte Consumption Rates. Sie zeigen dir, wie viel Flaschendruck du pro Zeitsegment in einer bestimmten Tiefe verbrauchst – abhängig von Flaschengröße und Tiefe.
 
Als Basis verwenden wir unser ermitteltes AMV von 18 l/min und rechnen „rückwärts“ vom Liter- zum Barverbrauch.
 
Beispiel: Consumption-Rate-Tabelle (je 5 Minuten)
Formel: ((AMV x Zeit) x absoluter Druck) / Flaschenvolumen
Beispiel für 10 m und eine 12-Liter-Flasche: ((18 x 5) x 2) / 12 = 12,5 bar (13 bar gerundet)
 
Mit einer solchen Tabelle siehst du auf einen Blick, wie viel Gas dich jede Minute in einer bestimmten Tiefe kostet – ein enormer Gewinn für die Planung sicherer Tauchgänge.
 

Gasplanung im Notfall – der entscheidende Punkt

In einer Notsituation steigt das AMV schnell auf das Doppelte oder mehr. Planen wir nun einen scheinbar harmlosen Nullzeittauchgang auf ein Wrack in 30 m Tiefe:
 
• Flasche: 12 l
• Startdruck: 200 bar
• Gewünschter Ausstiegsdruck: 50 bar
• Aufstieg von 30 auf 5 Meter: 3 Minuten
• Sicherheitstopp auf 5 Meter: 3 Minuten
• Aufstieg von 5 auf 0 Meter: 1 Minute
 
Gasverbrauch beim normalen Aufstieg:
• Aufstieg 30 → 5 m: 13 bar
• Sicherheitsstopp: 7 bar
• Aufstieg zur Oberfläche: 2 bar
 
= 22 bar Gesamtverbrauch
 
Damit bleiben 128 bar für die Grundzeit, der Aufstieg muss also spätestens bei 72 bar begonnen werden. Das ergibt eine Grundzeit von etwa 20 Minuten auf 30 m – ein schöner Nullzeittauchgang, vor allem mit Nitrox.
 
Und jetzt der Realitätscheck: Notfall mit zwei Tauchern
Angenommen, beide Taucher haben ein AMV von 18 l/min – im Notfall also 36 l/min pro Person.
 
Gasverbrauch im Notfall:
• Aufstieg 30 → 5 m: 50 bar
• Sicherheitsstopp: 27 bar
• Aufstieg zur Oberfläche: 8 bar
 
= 85 bar Gesamtverbrauch
 
Damit wird klar: Mit einem geplanten Aufstiegsbeginn bei 72 bar reicht das Gas nicht aus, um:
• den Aufstieg kontrolliert durchzuführen
• den Sicherheitsstopp einzuhalten
• und gleichzeitig ruhig zu bleiben
 
Und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass Problemerkennung und -lösung in der Tiefe zusätzliche Zeit und Gas kosten.
 
Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich: Pauschale Empfehlungen zum Restdruck lassen sich nicht 1:1 auf jeden Tauchgang übertragen. Auch Sporttaucher profitieren enorm davon, sich mit strukturierter Gasplanung zu beschäftigen und einfache Strategien aus dem technischen Tauchen zu übernehmen. Mit dem guten Gefühl, jederzeit ausreichend Gas zur Verfügung zu haben, tauchst du nicht nur sicherer – sondern auch entspannter.
 
Disclaimer: Die Inhalte dieses Blogbeitrags dienen ausschließlich der Information und als Denkanstoß. Sie stellen keine Ausbildung, kein Training und keine Handlungsanweisung dar und können eine qualifizierte Tauchausbildung durch einen zertifizierten Tauchlehrer nicht ersetzen.
Tauchen ist ein potenziell risikoreicher Sport, der fundiertes Wissen, praktische Erfahrung und korrektes Training erfordert. Um sicher tauchen zu können – unabhängig vom Ausbildungslevel oder Erfahrungsstand – ist eine strukturierte Ausbildung bei einem anerkannten und zertifizierten Instruktor unerlässlich.
Die Umsetzung von hier beschriebenen Konzepten, Techniken oder Überlegungen erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung und setzt entsprechende Ausbildung, Erfahrung sowie die Einhaltung geltender Standards voraus.
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Mehr Sicherheit unter Wasser – was Sporttaucher von technischen Tauchern lernen können

Ganz ehrlich – wir kennen das alle:

Nach abgeschlossener Grundausbildung werden wir mit jedem Tauchgang zunehmend routinierter. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst – und das ist auch gut so! Doch fast unmerklich beginnen wir damit, unsere Grenzen auszuloten. Wir tauchen etwas tiefer, bleiben etwas länger, bewegen uns an der Grenze der Nullzeit und kommen mit immer weniger Restdruck aus dem Wasser. Aus den gelernten 50 bar Restdruck werden schnell 30, 20 oder sogar noch weniger – und meistens geht ja auch alles gut.

Doch reicht das wirklich immer aus, um einen Tauchgang sicher zu beenden? Die ehrliche Antwort lautet: nein. Denn diese Denkweise basiert auf der Annahme, dass alles nach Plan läuft. Genau hier setzt die Philosophie des technischen Tauchens an – nicht mit größerer Tiefe oder komplexerer Ausrüstung, sondern mit einem anderen Zugang zur Sicherheit. Durch bewusste Gasplanung, klare Kommunikation und standardisierte Abläufe wird Sicherheit nicht dem Zufall überlassen, sondern geplant.

Ein Sicherheitsgedanke für jeden Tauchgang

Technisches Tauchen wirkt auf viele Sporttaucher sehr komplex, aufwendig und weit entfernt vom eigenen Tauchalltag. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: es geht primär um die Denkweise „was brauche ich, um diesen Tauchgang sicher beenden zu können“. Und genau hier können auch Sporttaucher ansetzen, denn viele Sicherheitsprinzipien aus dem technischen Tauchen lassen sich problemlos auf ganz normale Nullzeittauchgänge übertragen. Wer diese Prinzipien übernimmt, taucht entspannter, strukturierter und letztlich sicherer.

Gasplanung statt „es wird schon reichen“

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dem Sporttauchen und dem technischen Tauchen liegt in der Gasplanung. Während im Sporttauchen oft nach Erfahrungswerten getaucht wird, planen technische Taucher ihr Gas immer mit klaren Reserven. Dieses Prinzip lässt sich leicht übernehmen: Plane dein Gas so, dass du und dein Buddy jederzeit sicher auftauchen können – auch wenn einer von euch ein Problem hat. Dazu gehört nicht nur der Rückweg, sondern auch ein ruhiger, kontrollierter Aufstieg inklusive Sicherheitsstopp. Wer vor dem Tauchgang kurz überlegt, wie viel Luft für welchen Abschnitt benötigt wird, reduziert Stress und Überraschungen erheblich.

Im technischen Tauchen sprechen wir hier von „Rock-Bottom“ oder „Minimum-Gas“ – damit ist jener Gasvorrat gemeint, den ich mindestens haben muss, um mich und meinen Tauchpartner vom tiefsten Punkt des Tauchgangs sicher zur nächsten Gasversorgung – beim Sporttauchen demnach die Oberfläche – bringen zu können.

Zum Beitrag: Ganz einfach den AMV berechnen

Nullzeittauchen heißt nicht ohne „Deko-Gedanken“ tauchen

Auch wenn ein Tauchgang innerhalb der Nullzeit bleibt, heißt das nicht, dass Dekompression keine Rolle spielt. Auch hier gelten die physikalischen Gesetzmäßigkeiten: Druck, Dichte und Volumen beeinflussen, wie unser Körper Gas aufnimmt und wieder abgibt. Technische Taucher denken grundsätzlich in Aufstiegsprofilen, nicht nur in Tiefen und Zeiten. Gute Tarierungskontrolle, ein langsamer Aufstieg, kurze Pausen in flacheren Tiefen und ein bewusst durchgeführter Sicherheitsstopp sind einfache Maßnahmen mit großer Wirkung. Sie verbessern nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Wohlbefinden nach dem Tauchgang – gerade bei mehreren Tauchgängen pro Tag.

Standardisierte Abläufe schaffen Ruhe

Technische Taucher setzen stark auf feste Abläufe: Check vor dem Tauchgang, klare Absprachen, kompromisslose Kommunikation und exakt definierte Notfallreaktionen. Genau davon profitieren auch Sporttaucher. Ein strukturierter Buddy-Check, klare Kommunikation über Tauchplan, maximale Tiefe und Abbruchkriterien sorgen dafür, dass unter Wasser weniger improvisiert werden muss. Je klarer der Plan, desto ruhiger der Tauchgang – besonders in neuen Gewässern oder bei eingeschränkter Sicht.

Mentale Vorbereitung statt reiner Routine

Ein oft unterschätzter Punkt ist die mentale Vorbereitung. Technische Taucher gehen vor einem Tauchgang mögliche Probleme gedanklich durch: Was tun bei Luftverlust? Was tun bei Trennung vom Buddy? Diese kurze mentale „Trockenübung“ dauert nur wenige Sekunden, erhöht aber die Handlungssicherheit enorm. Wer sich bereits vor dem Abtauchen mit möglichen Szenarien beschäftigt, reagiert unter Wasser deutlich ruhiger und kontrollierter.

Einfach, aber wirkungsvoll

Es braucht keine zusätzliche Ausrüstung und keine neue Ausbildung, um von technischen Tauchern zu lernen. Schon kleine Anpassungen in Planung, Kommunikation und Aufstiegsgestaltung erhöhen die Sicherheit deutlich. Der wichtigste Gedanke dabei: Sicherheit entsteht durch Vorbereitung.

Technisches Tauchen ist kein Ziel, sondern eine Quelle bewährter Sicherheitsprinzipien. Wer Gas bewusster plant, Aufstiege strukturierter gestaltet und Abläufe klar definiert, bringt mehr Ruhe und Sicherheit in jeden Sporttauchgang. Genau diese Haltung macht Tauchen langfristig entspannter – und sorgt dafür, dass wir auch morgen noch mit Freude abtauchen können.

Lust auf mehr?

Beim Extended Range Foundations Training lernst du die Grundlagen vom technischen Tauchen: Ausrüstungskonfiguration, Tauchgangs- und Gasplanung, Kommunikation, Tarierung und Trimm werden zur Selbstverständlichkeit. Du lernst wie du Tauchgänge in deiner Erfahrungsstufe mit minimalem Aufwand maximal sicher machst. 

Du kannst das Training in Singletank-, Doppeltank- oder Sidemountkonfiguration buchen. Eine SSI XR-F Zertifizierung bekommst du nachdem du alle Voraussetzungen erfüllst.

 

Disclaimer: Die Inhalte dieses Blogbeitrags dienen ausschließlich der Information und als Denkanstoß. Sie stellen keine Ausbildung, kein Training und keine Handlungsanweisung dar und können eine qualifizierte Tauchausbildung durch einen zertifizierten Tauchlehrer nicht ersetzen.
Tauchen ist ein potenziell risikoreicher Sport, der fundiertes Wissen, praktische Erfahrung und korrektes Training erfordert. Um sicher tauchen zu können – unabhängig vom Ausbildungslevel oder Erfahrungsstand – ist eine strukturierte Ausbildung bei einem anerkannten und zertifizierten Instruktor unerlässlich.
Die Umsetzung von hier beschriebenen Konzepten, Techniken oder Überlegungen erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung und setzt entsprechende Ausbildung, Erfahrung sowie die Einhaltung geltender Standards voraus.
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