Die kurze Antwort zuerst – und die ehrlichste gleich dazu: Weil’s geil ist. Doch wie so oft im Tauchen steckt hinter dieser einfachen Aussage deutlich mehr. Sidemount ist kein Trend, der zufällig entstanden ist, sondern eine durchdachte Konfiguration mit Geschichte, klaren Vorteilen und einem enormen Zugewinn an Sicherheit, Komfort und Kontrolle unter Wasser.

Ein Blick zurück: Woher kommt Sidemount?

Sidemount-Tauchen hat seine Wurzeln im Höhlentauchen. In den engen, oft extrem restriktiven Höhlensystemen – insbesondere in Florida, Mexiko und England – standen Taucher vor einem Problem: Klassische Backmount-Doppelgeräte waren zu sperrig, um durch Engstellen, niedrige Passagen oder sogenannte Restrictions zu gelangen. Die Lösung war ebenso simpel wie genial: Die Flaschen wurden seitlich am Körper befestigt, wodurch sich das Profil des Tauchers deutlich verschmälerte.

Was zunächst eine reine Speziallösung für Höhlentaucher war, entwickelte sich über die Jahre weiter. Mit besserem Material, ausgereiften Harness-Systemen und klaren Standards wurde Sidemount zunehmend auch für Sporttaucher und technische Taucher interessant. Heute ist es längst keine Nische mehr, sondern eine vollwertige Alternative – oder für viele sogar die bevorzugte Konfiguration.

Redundanz, die diesen Namen verdient

Einer der größten Vorteile des Sidemount-Tauchens ist die echte Redundanz. Statt eines gemeinsamen Systems mit absperrbarer Brücke, wie du es bei einem Doppelgerät hast, tauchst du mit zwei vollständig voneinander unabhängigen Systemen. Das bedeutet: Fällt ein System aus, bleibt das andere vollständig funktionsfähig – ohne Isolieren und vor allem ohne Zeitverlust. Das ist ein wesentlicher Sicherheitsvorteil. 

Ventile, die man sieht und erreicht

Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt: Ventilmanagement. Im Sidemount hast du deine Ventile permanent im Blick und in direkter Reichweite. Kein Verrenkungen, kein blindes Tasten hinter dem Kopf. Ob Gasmanagement, Ventildrill oder einfach nur ein kurzer Check – alles ist schnell, kontrolliert und stressfrei möglich. Gerade in anspruchsvolleren Tauchgängen ist das ein massiver Vorteil.

Trimm, Tarierung und Stabilität

Durch die seitliche Position der Flaschen ergibt sich unter Wasser eine außergewöhnlich stabile Wasserlage. Der Körperschwerpunkt lässt sich fein justieren, Flaschen können je nach Gasmenge angepasst werden, und das gesamte System „klebt“ förmlich im Wasser. Das Resultat: Besserer Trimm, feinere Tarierung und deutlich weniger Energieverbrauch. Wer einmal sauber im Sidemount schwebt, merkt schnell, wie ruhig und effizient Tauchen sein kann.

Schluss mit schwerem Schleppen

Auch ganz pragmatisch hat Sidemount klare Vorteile. Statt ein schweres Doppelgerät am Rücken zu tragen, werden die Flaschen einzeln transportiert und meist erst im Wasser oder direkt am Einstieg angelegt. Gerade bei langen Wegen, steilen Einstiegen oder abgelegenen Tauchplätzen ist das ein enormer Komfortgewinn – und schont ganz nebenbei Rücken und Knie.

Reisen leicht gemacht

Auf Reisen spielt Sidemount seine Stärken besonders aus. Zwei ganz normale Pressluftflaschen, wie sie überall verfügbar sind, lassen sich problemlos zu einem vollwertigen Sidemount-Rig konfigurieren. Kein Organisieren von Doppelgeräten, keine Diskussionen mit Basen, keine Sonderlösungen. Flexibler geht es kaum.

Mehr als nur Technik

Neben all den objektiven Vorteilen gibt es noch etwas anderes: Sidemount verändert die Art, wie man taucht. Es fördert ein bewussteres Gasmanagement, ein besseres Verständnis für Ausrüstung und eine saubere, strukturierte Tauchweise.

Aber zusammengefasst: Warum Sidemount tauchen? Weil’s einfach geil ist 😉